Seminare Jahr 1 - 2020

17.-19. Januar 2020  |  Dozent: Ulfried Geuter

In diesem Seminar werde ich die Geschichte der Körperpsychotherapie mit ihren unterschiedlichen Quellen und Richtungen darstellen, einige ihrer philosophischen und theoretischen Grundlagen sowie das erlebenszentrierte und relationale Verständnis der Körperpsychotherapie erläutern.

Wir werden uns theoretisch und anhand von klinischen Beispielen damit befassen, was es heißt, prozessorientiert  und ausgehend von Prinzipien therapeutisch vorzugehen. Ferner werde ich erläutern, wie wir mit den verschiedenen Kanälen des Erlebens in der körperpsychotherapeutischen Exploration arbeiten. Die jeweiligen Arbeitsweisen werden in Selbsterfahrung praktisch vorgestellt und in therapeutischen Experimenten erprobt.

20.-22. März 2020  |  Dozent: Ulfried Geuter

“Wahrnehmen und Spüren” sowie “Gewahrsein und Gegenwart” betrachte ich als die beiden grundlegenden Prinzipien körperpsychotherapeutischer Praxis. Nur wer sich, die anderen und die Welt wahrnimmt und spürend erfasst, kann etwas bewusst erleben und sein Erleben mit Sinn füllen. Beides erfordert einen geistigen Zustand der Aufmerksamkeit, ein Gewahrsein für den Moment. Im Gewahrsein für unsere körperlichen Empfindungen spüren wir Bedeutung.

In diesem Seminar wird der Stellenwert der beiden Prinzipien erläutert und anhand eigener Erfahrung ausprobiert, wie wir bei Patienten die Wahrnehmung körperlicher Empfindungen, des Atems oder der Stimme fördern können, von ihrem Körpererleben dissoziierte Patienten über das Spüren wieder an die innere und äußere Wirklichkeit anbinden, durch Aufmerksamkeit einen inneren Beobachter etablieren oder durch Achtsamkeit einen Zustand der Transformation im Nicht-Handeln herbeiführen können.

15.-17. Mai 2020  |  Dozent: Ulfried Geuter

Discover statt uncover, sagte Fritz Perls. In einer erlebenszentrierten Körperpsychotherapie helfen wir Patienten, das weiter zu erkunden, was sich zeigt, und das zu entdecken, was noch nicht bekannt und von der Erfahrung ferngehalten oder ausgeschlossen ist. So werden sie sich ihrer unbewussten  Muster des Erlebens und Verhaltens mehr gewahr. In einer Befragung von Yalom nannten Patienten als den für sie nützlichsten Faktor, “mir früher unbekannte oder unannehmbare Züge meiner selbst” zu entdecken und zu akzeptieren.

In der Körperpsychotherapie fördern wir diesen Prozess mit Hilfe verschiedener Techniken wie Tracking, Verstärken, Übertreiben, Vermindern, Unterdrücken, Gegenteiliges tun oder Unterschiede erforschen. Dabei wird über das Körpererleben das Selbsterleben des Patienten gefördert.

26.-28. Juni 2020  |  Dozent: Norbert Schrauth

Die Atmung ist die zentrale Schalt- und Regulationsstelle zwischen dem bewussten und dem unbewusstem Erleben und Handeln. Sie ist an jedem emotionalen Erleben beteiligt und über die Atmung regeln wir wesentlich unsere Emotionen. Im Schreck wird der Atem angehalten, manchmal chronisch wie infolge einer Totstellreaktion. Eine eingeschränkte Atmung lässt auf Dauer die Sauerstoffsättigung des Blutes absinken und erhöht dadurch das Risiko für etliche häufige Erkrankungen. Manchmal wird der Atem auch angehalten, um den Ausdruck von Gefühlen zu hemmen wie bei einer unterdrückten Trauer.

Über den Atem können wir Beruhigung und Entspannung anstoßen, aber auch noch nicht gespürte Gefühle provozieren. In der Körperpsychotherapie beobachten wir den Atem des Patienten und den eigenen Atem in der Gegenübertragung. In Atemdialogen, wie in einem Weiteratmen des Therapeuten, wirken wir auf die Atmung des Patienten ein. Im Sitzen, Stehen, Gehen oder Liegen lassen sich in der Körperpsychotherapie Atemmuster erforschen und Veränderungen erproben.

In dem Seminar werden wir uns mit der Bedeutung des Atems in der Psychotherapie und mit möglichen Interventionen in Theorie, Selbsterfahrung und Praxis befassen.

20.-22. März 2020  |  Dozentin: Margit Koemeda-Lutz

Niederschläge von Erfahrungen als explizite Erinnerungen oder als implizite Neigungen beeinflussen die Art, wie wir mit nachfolgenden Situationen umgehen. Sie prägen unsere Interaktionen mit der Umwelt in Form von Präferenzen, emotionalen Reaktionen und Denkstilen und werden ihrerseits durch jedes neue Erleben und jede neue Situation modifiziert.

Vor dem Hintergrund einer tiefenpsychologisch fundierten Entwicklungstheorie sollen anhand von ausgewählten typischen Bedürfniskonflikten und möglichen umweltbedingten Mangelsituationen persönlichkeitsprägende Reaktionsbildungen in der eigenen Biografie erfahrbar, in Gruppenprozessen integrierbar gemacht sowie in Gesprächen körperpsychotherapeutischen Konzepten zugeordnet werden.

30. Oktober-1. November 2020  |  Dozent: Ulfried Geuter

Manche Patienten spüren nicht, was sie bewegt, und sind in ihren Gefühlen gehemmt. Andere werden von Gefühlen überrollt oder können ihre Impulse nicht steuern. Die einen kontrollieren Emotionen zu viel, die anderen können es zu wenig. Zwei Pole in der Vielzahl der Möglichkeiten, wie emotionales Erleben gestört sein kann. In der Körperpsychotherapie begegnen wir ihnen mit zwei Prinzipien: durch Aktivieren und Ausdrücken einerseits, Regulieren und Modulieren andererseits, den beiden zentralen Prinzipien zur Arbeit mit Dysregulationen emotionaler Erregung.

In dem Seminar werden die unterschiedlichen Aufgaben der Emotionsregulation und ihre differentielle Indikation theoretisch erläutert und praktisch gezeigt, wie wir ihnen therapeutisch gerecht werden können. Vor allem über Atem und Bewegung können wir die emotionale Erregung sowohl steigern als auch abmildern. Wir ermutigen Patienten, Emotionen deutlicher zu erleben, indem sie diese ausdrücken, oder wir helfen ihnen, Emotionen zu begrenzen und Impulse zu steuern. Beides fördert die Fähigkeit der Selbstregulation. Anhand von Erfahrungssequenzen soll in dem Seminar erprobt werden, wie wir diese beiden Prinzipien in der Praxis umsetzen können.

20.-22. März 2020  |  Dozent: Ulfried Geuter

Patienten können sich besser regulieren, wenn sie mehr an sich selbst und an die Umwelt angebunden sind. Auf körperpsychotherapeutischem Weg können wir dies dadurch unterstützen, dass sie ihre innere Mitte spüren, das heißt sich zentrieren, und dass sie die Verbindung zu dem sie tragenden Boden spüren, das heißt sich erden. Wir fördern es auch, wenn sie in der Koregulation die Anbindung an andere spüren. Auf der körperlichen Ebene können das Halt und Berührung vermitteln.

In diesem Seminar werden zum einen Methoden und Techniken der Zentrierung und des Groundings vermittelt, etwa wie man im inneren Aufrichten das Erleben von Mitte und Grund miteinander verbinden kann. Zum anderen wird gezeigt, wie Selbstberührungen und Berührungen des Therapeuten dabei helfen können, dass Patienten sich mehr spüren oder sich geschützt und gehalten fühlen können. Unterschiedliche Formen der Berührung werden erprobt und auf ihre Indikation und ihre Stimmigkeit hin erläutert. Dabei werde ich auch die Ethik der Berührung und das Verständnis der Abstinenz erläutern.

Für das zweite Jahr sind folgende Seminare vorgesehen:

Seminar 1 - Einführung in die erlebenszentrierte Körperpsychotherapie
Seminar 2 - Selbstwahrnehmung und Selbstregulation
Seminar 3 - Szenisches Arbeiten in der Körperpsychotherapie
Seminar 4 - Verkörpern und Handeln - Reorganisieren und Transformieren
Seminar 5 - Der Körper in der Traumatherapie
Seminar 6 - Körperpsychotherapie bei affektiven Störungen
Seminar 7 - Verkörperte Beziehung - Zur Arbeit mit Übertragung und Resonanz

IKW
Institut für körperpsychotherapeutische Weiterbildung

T +49 30 7870 7213